
VON UNSERER MITARBEITERIN VERONIKA SCHADECK
Kronach Mit nur einer Enthaltung gaben die Mitglieder der Schützengesellschaft Kronach am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung grünes Licht für den Bau einer multifunktionalen Raumschießanlage. Der Vorstand kann diese rund 2,3 Millionen teure Anlage mit bis zu 800.000 Euro durch die Schützengesellschaft Kronach mitfinanzieren.
Eigenanteil und Förderungen
Die Restsumme soll durch Förderungen aufgebracht werden. Dazu zählen 550.000 Euro aus den Fraktionsinitiativen, 500.000 Euro an Zuschüssen durch die Stadt und eine finanzielle Zuwendung aus dem Förderprogramm für Sportstättenbau. Die Schützengesellschaft will ihren Eigenanteil mit Hilfe von Bausteinen, Spenden und Veranstaltungen aufbringen. „Wir werden das stemmen“, so Erster Schützenmeister Jörg Schnitzler.
Vor dem Beschluss sprach sich Schnitzler im voll besetzten Saal des Schützenhauses mit Leidenschaft für den Bau der neuen Schießanlage aus. Der beschlossene Zuschuss der Stadt in Höhe von 500.000 Euro habe in den vergangenen Wochen für viele Diskussionen gesorgt. Der Verein werde in der Öffentlichkeit oft nur als Empfänger von Geldern wahrgenommen, die Realität sei eine andere.
Die SG Kronach trage seit Jahrzehnten Kosten, die der gesamten Stadt und Allgemeinheit zugutekommen, so Schnitzler. In diesem Zusammenhang erwähnte der Schützenmeister verschiedene Veranstaltungen auf der Hofwiese. Die gesamte Infrastruktur, vom Wasser bis zu Stromanschlüssen, werde von der SG finanziert.
Infrastrukturlücke ohne SG
Hinzu komme der Saal, die voll ausgestattete Küche im Schützenhaus, die ebenfalls aus Vereinsmitteln finanziert sind. Dort werden Büttenabende, Flohmärkte und Tanzveranstaltungen von Vereinen und Organisationen gehalten.
Und zudem dient die Hofwiese dem Katastrophenschutz. Ohne die SG stünde Kronach vor einer gewaltigen Infrastrukturlücke, so Jörg Schnitzler. Das Freischießen sei das größte Fest im Landkreis und bringe auch Umsätze für die lokale Wirtschaft. Das Risiko trage jedoch die SG. Im vergangenen Jahr beliefen sich allein die Kosten für den Sicherheitsdienst auf 85.000 Euro.
Schnitzler wies auch darauf hin, dass die SG zwei Vorgespräche mit allen Fraktionen, der Bürgermeisterin und Abgeordneten im November 2025 und Januar 2026 geführt habe. Zudem gab es Ende Januar einen Besichtigungstermin.
Die in den vergangenen Wochen aufgeworfene Frage nach fehlenden Rücklagen des Vereins begründete Schnitzler mit der Sanierung der Säureharzdeponie.
Jahrelang finanziell gelähmt
Jahrelang sei die SG dadurch finanziell gelähmt gewesen. „Sämtliche Einnahmen flossen direkt in diese Sanierung.“ Erst im vergangenen Jahr sei es dem Verein – dank neuer Vereinbarungen mit der Regierung von Oberfranken sowie dem Einsatz von Landrat Klaus Löffler und MdL Jürgen Baumgärtner – möglich, überhaupt Rücklagen zu bilden.
Schnitzler wies weiter darauf hin, dass die Sanierung des Pistolenschießstands unumgänglich sei, da die Betriebserlaubnis im Sommer 2029 auslaufe. Ohne Schießstand würden sich Mitglieder bei anderen Vereinen anmelden und dort höhere Beiträge zahlen. Die SG würde Mitglieder verlieren und somit auch die Basis für das ehrenamtlich organisierte Freischießen, das als größtes Volksfest in der Region gilt.
Schnitzler bedankte sich in diesem Zusammenhang für die Unterstützung eines neuen Schießstands beim Landrat, bei MdL Jürgen Baumgärtner und Bernd Liebhardt.
Mit Schießkino und Schallschutz
Der Plan sieht nun vor, einen Neubau für Kurz- und Langwaffen anzulegen. Zudem beinhaltet dieser ein Schießkino sowie eine moderne Ausstattung in Bezug auf Entlüftung und Schallschutz.
Der detaillierte Plan soll in den nächsten Wochen fertiggestellt und dem Landratsamt vorgelegt werden. Wenn alles gut läuft, könne man nach dem Freischießen mit den Erdarbeiten und Rohbaumaßnahmen beginnen.
Kronach „Das Freischießen 2025 war friedlich“, zog Schützenmeister Jörg Schnitzler Bilanz. Der Schützenauszug am ersten Festsonntag mit Tausenden von Zuschauern an den Straßenrändern sei ein voller Erfolg gewesen.
Der 2. Schützenmeister Matthias Kümmet sprach über die Erfolge der SG im Sportbereich. Aktive Schützen glänzten in den verschiedenen Disziplinen auf oberfränkischer, bayerischer und deutscher Ebene. Evelin Kaiser wurde deutsche Meisterin in der Disziplin Luftpistole Damen IV. Bei den bayerischen Meisterschaften konnten 15 Podiumsplätze erreicht werden.
Bei der vereinseigenen Abteilung der BDS/BBS-Gruppe Jochen Bauer konnten 47 Starts bei den bayerischen Meisterschaften in verzeichnet werden. Dabei erreichten die SG-Schützen fünfmal Bronze, einmal Silber und mit Matthias Kümmet und Sebastian Geier zweimal Gold mit dem Titel bayerischer Meister. Bei der Sportlerauszeichnung des Landkreises, so Kümmet, konnten vor wenigen Wochen 14 erfolgreiche Schützen ausgezeichnet werden.
Zufriedenstellend mit 373 Teilnehmern sei beim Freischießen das Preisschießen gewesen. Auch beim Sauschießen konnte eine gute Beteiligung verzeichnet werden. Allerdings bestehe bei den Vereinsmeisterschaft „noch Luft nach oben“, so Kümmet. Zehn Sportpistolenmannschaften hätten sich an Rundenwettkämpfen beteiligt.
Erfreut äußerte sich Kümmet auch über die aktive Jugendarbeit im Verein. Dazu zählen neben Trainingseinheiten auch das Rosenmontags- und Halloweenschießen.
Schatzmeisterin Ira Steller sprach von einem „zufriedenstellenden Jahresergebnis“. Die Zahl der Mitglieder bei der SG Kronach liegt bei 829.
Jörg Schnitzer ging auch auf das Freischießen 2026 ein. Der Bierpreis bleibt mit 11,20 Euro pro Liter gegenüber dem Vorjahr unverändert. Die alkoholfreien Getränke wird es für 3,50 Euro geben. Nicht mehr vertreten sein auf der Hofwiese wird die Flammerei aus Küps und das Grillhaus Grebner. Als Ersatz konnte „Hax’n Liebermann“ aus Nürnberg gewonnen werden. Auf dem Platz der Flammerei wird es einen Burgerstand geben. Auch ein Gurkenstand sei wieder geplant. Für die Bierprobe am 13. August im Schützenstadl können auf der Homepage der Schützen Plätze reserviert werden.
Ehrungen
Das Ehrenzeichen der Schützen in Gold erhielten Bernd und Jutta Korb. Beide sind seit 29 Jahren im Verein aktiv und organisieren seit 2012 den Kindertag. Diese Aufgaben werden nun Jens und Julia Kodalle übernehmen.
Mit dem Fahnenehrenzeichen in Silber wurden Felix Binder und Matthias Kohlmann ausgezeichnet. Die Gauehrennadel erhielten Angela Jungkunz und Michael Heim.
Geehrt wurden für 70 Jahre Mitgliedschaft Wilhelm Pfaff, Dieter Scheidt, für 65 Jahre Rudolf Kodalle, Irmtraud Fischer, Annemarie Steller, für 60 Jahre Tino Vetter, Margot Barnickel, Michael Fehn, Georg Weber; für 40 Jahre Karl Dorsch, Michael Götz, Horst Hühnlein, Udo Müller. Thomas von Hayn, Thomas Kaiser, Johannes Fehn, Stefan Heim, Dirk Hubbert, Georg Pomajba, für 25 Jahre Frank Trapper, Andreas Weith, Bernhard Weith, Alois Fischer, Jürgen Bahn, Veronika Weber, Max Kümmet, Werner Martin, Raimund Meister, Stefan Mück.
Ehrung der Jungschützen für Erfolge im Bezirksfinale des RWS-Shooty-Cups:
Gewehr: Johanna Kodalle, Leonie Heim. Pistole: Leonie Heim, Moritz Först (3. Platz), Pistolen-Paarung: Luana Förtsch, Maximilian Först (Gold). Beide werden den Bezirk auf Landesebene vertreten.
Im Verwaltungsausschuss sind Helmut Rauh, Gerd-Heinrich Grebner, Oliver Wiegand.
Gewählt von der Versammlung wurden Jochen Bauer, Chiara Mitter, Carsten Steller, Frank Trapper, Bernd Korb, Birgit Rittmann, und Christian Stützinger. Veronika Schadeck
